Buchtipp: In 24 Etappen zu allen Unesco-Welterbestätten

Von Ulli Kulke 18. Oktober 2008, 11:55 Uhr

Die weltweit schönsten Naturräume, Bauwerke, Städteensembles, Kulturlandschaften, Kunstwerke und Industriedenkmäler zusammengefasst in 24 Bänden – die neue "Welt"-Edition zu den Unesco-Welterbestätten ist ein furioses Werk, das in Aufmachung und Gestaltung an große Enzyklopädien anknüpft.

Moai Figuren an der Küste, Osterinsel, Chile
Foto: PA/Bildagentur Huber

Die kolossalen Steinstatuen - genannt Moais - auf der Osterinsel gehören seit 1995 zum Weltkulturerbe

Er ist frappant und unter Historikern noch nicht bis zum letzten Wort ausdiskutiert: Der Gegensatz zwischen dem immensen Reichtum Nordamerikas und der Armut des südlichen Halbkontinents. Beide wurden – wenn auch aus unterschiedlicher Interessenlage – von Europäern kolonisiert, beide lösten die Bande zu ihren Mutterländern etwa zur gleichen Zeit.

Die Ungleichheit heute wird noch verblüffender, wenn wir Nord und Süd im Hinblick auf ihre Zeugnisse vergangener Epochen vergleichen. Und das betrachten, was von Kulturen und Hochkulturen über die Jahrhunderte überdauert hat. Ausgerechnet der ärmere Teil, Mittel- und Südamerika von Mexiko bis Chile, strotzt geradezu von einstigem Reichtum, von scheinbar ewig währenden Zeugnissen der Zivilisation gleich aus mehreren Jahrtausenden; aus der Zeit vor, während und nach der Kolonialzeit. Nördlich des Rio Grande aber, dort wo heute der weltweit größte Wohlstand herrscht, geben nur spärliche Funde aus archäologischen Tiefen Auskunft über das Leben in früheren Epochen.

Es ist deswegen kein Zufall, dass Lateinamerika geradezu einen zentralen Punkt bildet auf der Liste der Denkmäler, die die Unesco zum Weltkulturerbe erklärte, um deren Erhalt sie damit eindrücklich wirbt. Nordamerika weist 15 Kulturdenkmäler auf der Unesco-Liste auf, Lateinamerika aber 91. Darunter Inkastädte wie Cusco mit seinen mächtigen Palästen aus Megalithen, Machu Picchu, die lange Zeit unerreichbare, geheimnisvolle Bergfestung, oder die Maya-Pyramiden in Guatemala, desgleichen Stadtanlagen im Kolonialbarock.

Der südliche Teil davon, die Andenstaaten, sind denn auch Gegenstand des ersten Bandes („Amerika I“) aus der Reihe „Das Erbe der Welt. Unter dem Schutz der Unesco“, die die „Welt“ und „Welt am Sonntag“ jetzt in Kooperation mit dem Weltbild-Verlag präsentieren. Gerade der Unterschied zwischen Nord- und Südamerika dokumentiert die Sinnhaftigkeit, dem Weltkulturerbe besonderes Augenmerk zu schenken, erinnert er uns doch an die epochalen Verwerfungen der Weltgeschichte, denen das Kulturerbe ausgeliefert ist, die es bisweilen auch bedrohen.

FOTO: WELT EDITION

Das Cover des ersten Bandes


Insgesamt 24 solcher Bildbände werden in der Edition erscheinen, die den Leser einmal um die Welt führen, ihn auf Besuch schicken zu jedem einzelnen Welterbe, ob Kultur oder Natur. Im Monatsrhythmus werden jeweils drei oder vier Bücher erscheinen, die ab sofort für den Gesamtpreis von 199 Euro abonniert werden können. Nicht nur wegen seiner fotografischen Opulenz ist die Edition beachtenswert. Das Thema Weltkultur- und Weltnaturerbe einer breiteren Öffentlichkeit genussvoll zu unterbreiten, kann das Anliegen der Unesco wirksam fördern. Denn hinter der Kampagne der Unesco steht mehr als nur die schlagzeilenträchtigen Konflikte, etwa wenn mal die Aberkennung des Status „Weltkulturerbe“ droht und zu politischen Auseinandersetzungen führt wie bei der Waldschlösschenbrücke über die Elbtalaue in Dresden. Oder wenn Kriege wie der im Irak das Erbe eines ganzen Landes gefährden.

Die Welterbe-Konvention, die die Kriterien für die Anerkennung eines solchen Status regelt, hatte die Vollversammlung der Unesco 1972 in Paris verabschiedet; 1975 trat sie in Kraft. Unmittelbaren Anstoß zu der Initiative gab in den Jahren zuvor das wohl bemerkenswerteste Beispiel von Denkmalschutz auf internationaler Ebene: Die Umsetzung der Tempel im Niltal, die durch den Stausee bei Assuan gefährdet waren, Abu Simbel, Kalabscha und Dutzende andere monumentale, mehrere Jahrtausende alte Bauwerke. 80 Millionen Dollar kostete es, sie auseinander zu schneiden und gut 60 Meter höher wieder neu aufzubauen. Aus 50 Ländern kamen dafür die Spenden zusammen.

Der Begriff des „kulturellen Erbes“ freilich ist weit älter. Als erster dürfte ihn Henri-Baptiste Grégorie, Bischof von Blois, im 18. Jahrhundert geprägt haben, damals ohne größere Breitenwirkung. Der Gedanke des Denkmalschutzes – der Sinn fürs Alte war nur punktuell verbreitet, mal abgesehen vielleicht vom Charme, den im Zeitalter der Romantik die Ruinen von Schlössern oder Burgen ausübten – was zwar Ausdruck für die Wertschätzung des Alten, aber eben auch Morbiden, und daher nicht unbedingt für seinen pfleglichen Erhalt. Erst 1954 wurde der Anspruch, die Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten zu schützen, in einer eigenen Haager Konvention zur formellen, internationalen Norm formuliert.

"National Geographic" zeigt bedrohte Paradiese

Manchem mag es befremdlich erscheinen, dass für den Kriegsfall, da es um Leben und Tod geht, die Sorge um dingliche Werte auf der Tagesordnung stehen soll. Doch erinnern wir uns auch daran, welch einen Schock es für die Weltöffentlichkeit darstellte, als die Taliban vor sieben Jahren die monumentale Buddha-Statue im afghanischen Bamyan – ein anerkanntes Weltkulturerbe – sprengten, während gleichzeitig die Islamisten im Lande auch unter den Menschen wüteten, Angst, Schrecken und vielfachen Tod verbreiteten. Auch der Terror gegen Kultur, das war damals spürbar, ist ein Ausdruck von fehlendem Humanismus.

Natürlich konnte keine Unesco-Liste dem Wüten der Taliban Einhalt gebieten. Wie überhaupt die Pariser Weltkulturwächter über keinerlei Sanktionen verfügen, mit denen sie bei den jeweiligen Staaten ein pflegliches Verhalten gegenüber ihren Schätzen durchsetzen könnten. Im Falle eines groben Frevels bleibt der Unesco lediglich, das Bauwerk, das Stadtensemble, das technische Kleinod, den Naturpark oder das spezielle Habitat in der Wildnis von ihrer Liste zu nehmen.

Damit aber kann sie auch nichts anderes bewirken, als die formelle Aufgabe des eigenen Schutzanspruches.

Immerhin dürfte die größere Bekanntheit, die mit der Aufnahme auf die Unesco-Liste einhergeht, das Verständnis für das Kulturerbe fördern, zumal sie sich auch in Einnahmen durch den Tourismus niederschlägt. Ein einziges Mal nur sah sich die Unesco gezwungen, den Status – in dem Fall eines Weltnaturerbes – abzuerkennen: Als die Regierung von Oman das Wildschutzgebiet für die arabische Oryx-Antilope im Land mal eben um 90 Prozent verkleinern wollte, wurde es aus der Liste gestrichen.

Welche Wertschätzung andererseits eine Ehrung durch die Unesco einbringen kann, zeigt sich gerade dieser Tage in Südostasien: Nachdem der Tempelkomplex Preah Vihear vor vier Monaten als Kulturerbe anerkannt wurde, streiten sich Thailand und Kambodscha – inzwischen mit Waffengewalt und mehreren gefallenen Soldaten – um die Anlage, die im gemeinsamen Grenzgebiet im Regenwald liegt; nach bisheriger Auffassung der Unesco auf kambodschanischem Territorium.

Der Ort der zerstörten Buddha-Skulpturen in Afghanistan ist seit 2003 übrigens erneut zum Welterbe erklärt worden, mit ihm nun allerdings das gesamte Bamyan-Tal, in dem sich weitere Kult-Stätten befinden. Bisweilen gibt das „World Heritage Committee“ eben auch eine zweite Chance.

Alle 24 Bände

Hier können Sie
die Edition bestellen

Blick auf das Große Barriere Riff in Queensland. Im Jahre 1981 wurde das Große Barriere Riff als Weltnaturerbe in die UNESCO Liste des Welterbes aufgenommen. (Undatierte Aufnahme)

Die gesamte Edition „Das Erbe der Welt“ kann man telefonisch oder im Internet für nur 199 Euro bestellen. Den ersten Band der Edition gibt es gratis. Alle drei bis vier Wochen folgen die weiteren Bände der Edition.
Tel. 01805/79 79 79


www.welt-edition.de

Die Buchreihe soll uns zum Staunen bringen, wozu der erste Band mit seinen Orten in Südamerika durchaus angelegt ist. Darunter befinden sich jene Stätten, die von geheimnisvollen Kulturen aus einer so ganz anderen Welt zeugen. Die, aus unserer Sicht, bis zum Beginn der Neuzeit als vollkommen unbekannte und ungeahnte Parallelwelt existierten, der sich plötzlich, unvermittelt im Jahre 1492 ein Kontakt zum Abendland auftat.

Die es ohne Räder, ohne Bücher und – zumindest was die Inka anging – auch ohne Geld zu unvorstellbarer Blüte gebracht hatte; die, auch noch vollkommen ohne Mörtel, aus riesigen Steinquadern urbane Zentren schaffen konnten für Hunderttausende von Bewohnern – und für die Ewigkeit.

Eine der geheimnisvollsten Kulturen zählt ebenso dazu, die der Osterinsel, wo ein entlegen lebendes Volk erst auf unerklärliche Weise zehn Meter hohe Monolithe wie am Fließband hergestellt und aufgerichtet haben muss, anschließend aber als eines der großen Rätsel der Weltgeschichte verschwand.

Der Leser wird auch Überraschendes, Vergänglicheres finden, etwa das gute Dutzend Stadtaufzüge aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, die in der chilenischen Hafenmetropole Valparaiso von der Unter- in die Oberstadt führen, in abenteuerlichster Bauart und beileibe nicht immer einladend. Auch die Ruinenlandschaften der Salpeterindustrie in der chilenischen Atacama-Wüste, jene Anlagen, die vor 100 Jahren den Stoff lieferten für den großen Welthandel ums Kap Horn, in der Frühzeit der Globalisierung.

Die kulturelle Globalisierung hat es inzwischen mit sich gebracht, dass alle 679 Kultur- und 174 Naturdenkmäler auf der Unesco-Liste zwar in 145 Ländern zu bestaunen sind – aber als gemeinsames Welterbe der Menschheit gelten sollten.

FOTO: WELT EDITION

Edition: WELT und WELT am Sonntag präsentieren in Kooperation mit der Verlagsgruppe Weltbild das komplette Unesco-Welterbe in einer 24-bändigen Edition. Den Auftakt macht der Band „Amerika I“ mit den Ländern Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile. Am 14. November folgen die Bände Europa I, Asien I, Afrika I und Amerika II.

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